Al Gore – eine bequeme Unwahrheit

Nachdem Al Gore bereits mit seinem Buch „eine unbequeme Wahrheit“ bewies wie verquer mensch das Thema Klimawandel betrachten kann, bringt er nun ein neues Buch auf den Markt: „Wir haben die Wahl – ein Plan zur Lösung der Klimakrise“. So großspurig wie dieser Title ist auch das Format: Quadratisches Großformat, und 416 Seiten. Diese bestehen allerdings eigentlich nur aus Bildern. Mensch kann sich das etwa so vorstellen, wie einen Stern: drei Seiten Großbilder, und auf der vierten ist dann eine kleine Spalte am Rand mit Text.

Da ich mich aufopfern werde dieses Buch zu lesen, wird es hier ab jetzt des öfteren Beiträge über dieses Buch geben.

Gleich zu beginn erstaunt Al Gore durch unerwartet radikale Ausbrüche:

„Tatsächlich stellt die Klimakrise eine in der Geschichte einmalige Gelegenheit dar, endlich entschlossen gegen die vielen, lange vernachlässigten Ursachen von Leid und Elend vorzugehen, künftigeren Generationen ein gesünderes und reicheres Leben zu bieten und bessere Vorraussetzungen für ihr Streben nach Glück zu schaffen.

Wenn wir uns für den Kampf gegen die Klimakrise entscheiden, sind damit ungeheure systemische Veränderungen verbunden. Diese haben jedoch den positiven Nebeneffekt, dass wir damit viele seit langem bestehende Probleme lösen können“

Genau man, Al Gore hat’s durchschaut: das System hat keine Fehler, das System ist der Feheler! Kapitalismus überwinden um das Klima zu retten! Denkste, schon gleich im nächsten Abschnitt fängt Al Gore wieder an zu blubbern von Wir-alle-zusammen-müssen-das-Klima-retten… So als ob es eben nicht wirtschaftliche und politische Strukturen sind, die den Klimawandel verursachen, in denen die Entscheidungskompetenzen nicht gleich verteilt sind sondern klar hierarchisch. Als ob alle Menschen auf der Erde gleich viel beigetragen hätten zum Klimawandel…

„Der entscheidende erste Schritt lautet: Wir müssen uns entscheiden. Mit „Wir“ meine ich die gesamte Menschheit…Im Zentrum dieses Buches steht eine kollektive Entscheidung: Wir müssen uns dafür entscheiden, die Rettung der Zivilisation zum Dreh- und Angelpunkt unseres politischen , wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Handelns zu machen.

Alle zusammen also sollen jetzt handeln. Alle zusammen? Wie soll das denn gehen? Natürlich durch die Vertretung von Politikern:

„Wollen wir die Klimakrise abwenden müssen wir die Notwendigkeit einer konzentrierten Aktion im Weltmaßstab anerkennen. Natürlich spielt jeder von uns als Individuum eine Rolle, natürlich sind die Maßnahmen, die wir zu Hause und an unserem Arbeitsplatz ergreifen extrem wichtig. Sie addieren sich und stärken die Hoffnung, die für den Erfolg notwendig ist. Aber mit Energiesprlampen und neuen Isolierglasfenstern ist es nun einmal nicht getan. Wir brauchen neue Gesetze und eine neue Politik.“

Zuerst will er uns also klarmachen, dass wir es alle sind die nun handeln müssen um dann zu beweißen dass für ihn gar nicht denkbar ist, dass die Individuen handelnde Subjekte sein könnten, außerhalb von energiesparlampen reindrehen. Doch eines noch können Individuen tun:

„Wer zur Lösung beitragen will, muss als Bürger aktiv auf neue Gesetze und Abkommen drängen, die schlussendlich zu den erforderlichen Lösungen auf globaler Ebene führen. Aus diesem Grund konzentriert sich mein Buch weniger auf individuelle Optionen als vielmehr darauf, den Weg zu den großen Lösungen zu zeigen, die unser gemeinsames Engagement erfordern.“

Was denn nun gemeinsam oder doch von oben? Da scheint sich Al Gore nicht ganz einig mit sich selber zu sein. Vielleicht liegt dass daran, dass er sich zwischen individuellen Optionen wie Glühbirnen eindrehen und Politik von oben, am besten global, nichts vorstellen kann.

Vortsetzung folgt