Der Untergang im Gutmenschentum

Die Proteste in Kopenhagen gehen in der bürgerlichen Presse total im Gutmenschentum unter. In blau gehüllte BUNDler werden gezeigt, die Frau Merkel auffordern mehr für den Klimaschutz zu machen. Genau das ist die Problematik bei Gipfelprotesten. Ein Kampf um die Vereinnahmung ist allgegenwärtig und unumgängig. Erst vereinnahmen die sich als radikaler gebenden Bündnisse die radikalen Teile der Proteste (siehe Ines Koburger, Artikel zwei weiter unten) um dann selber mitzuschwimmen in einem Bündniss mit derjenigen die lediglich mehr von den PolitikerInnen fordern. Die bürgerliche Presse greift das ganze dann dankbar auf, und verwertet es als gutes Beispiel für gelebte Demokratie und Bürgerengagement. Menschen hüllen sich in blau um für ihr Klima zu kämpfen. Super!
Ein Video vom ZDF

Eine kritische Vermitlung wird nicht erreicht.

Das soll nicht heißen, dass dies auf Gipfelprotesten an sich nicht möglich sei. Dafür müssten aber viele kreative Kleingruppenaktionen durchgeführt werden, die sich selber über die Vermittlung Gedanken machen, und darüber wie sie sich vor Vereinnahmung schützen.

Es sollte aber analysiert werden, ob es nicht sinnvoller ist (ohne beides gegeneinander ausspielen zu wollen) sich nicht auf Gipfelproteste zu konzentrieren, sondern den Widerstand gegen den Klimawandel dorthin zu tragen wo dieser entsteht. Und das ist überall. Vorteil: Ort und Zeit können von uns bestimmt werden. Zweiter Vorteil: Es ist leichter sich vor Vereinnahmung zu schützen, da die Vermittlug viel direkter passiert. Dritter Vorteil: Die Gefahr des appelierenden Protestes ist viel geringer. Denn die Herrschaft kommt hier nicht mehr daher als „eigentlich wollen die ja das gleiche, sollten sich aber nur mehr zutrauen“ sondern sie Herrschaft kommt daher in ihrer gesamten Hässlichkeit, in qualmenden Schornsteinen, stinkenden Autobahnen, knüppenden Bullen die den Neubau eines Flughafens durchprügeln. Die systemimmanenten Funktionsweißen des Kapitalismus und anderer Herrschaftsapparaten it viel leichter erfahrbar. Wer mit Leuten redet die früher bei der Startbahn West aktiv waren, oder in Wackersdorf, weiß dass die Leute dort ihren glauben an den Rechtsstaat längst verloren haben und sich auch 30 Jahre später keinen Illusionen mehr über ihn hingeben.

Die Konzentration auf Gipfelproteste offenbart zudem die Schwäche der Bewegung, sich selber zu organisieren, selber die Konfliktorte zu bestimmen. Einem Aufruf zu einer Demonstration zu folgen, dass schaffen Leute noch, das reicht aber nicht aus um Veränderungen hervorzubringen. Denn wie oben schon beschrieben. Es ist ein leichtes solche Proteste zu vereinnahmen und für die Diskurssteuerung der bürgerlichen Presse nutzbar zu machen.


0 Antworten auf „Der Untergang im Gutmenschentum“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>